| Digitale Betriebsabläufe
Die
Frage ist nicht, ob Sie Ihre betriebswirtschaftlichen Prozesse elektronisch
unterstützen, die Frage ist, wo bringt es Ihnen bei Ihrer Arbeit
mit Ihren Kunden den größten Nutzen. Wenn Sie genau dort
ansetzen, können Sie schnell Erfolge erzielen.
"Die schnellen Unternehmen werden die großen Unternehmen
überflügeln..."
Eine zwingende Grundlage für digitale Betriebsabläufe
sind eindeutig definierte Geschäftsprozesse und einheitlich
strukturierte Informationen, denn nur dann können Computer
Routinearbeiten sinnvoll unterstützen.
Hierzu hielt Peter Rösch auf einer Fachtagung einen Vortrag:
Digitale Betriebsabläufe
dargestellt am Beispiel eines Unternehmens der Bauindustrie.
Die meisten Prozesse in projektorientierten Unternehmen sind durch
ihre logistische und betriebswirtschaftliche Komplexität auch
auf andere Unternehmen übertragbar.
Für die deutsche Wirtschaft bietet das Informationszeitalter
neue Chancen. Schnelle und sichere Informationen werden zum entscheidenden
Wettbewerbsvorteil in allen Projekthasen. Die Organisation des Datenflusses
im digitalen Baubetrieb ist ein Schwerpunktthema des AKIM (Arbeitskreis
Informationsmanagement im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie).
Als Ergebnis werden der Bauindustrie und allen an der Bauausführung
Beteiligten Hinweise zum Aufbau strukturierter Informationen gegeben.
Strukturierte Informationen sind die Grundlage der digitalen Betriebsabläufe.
Strukturierte Information:
Eine strukturierte Information setzt sich aus einzelnen Daten zusammen,
die in ein festgelegtes Raster (Beispiel: Karteikarte) eingetragen
werden. In einer strukturierten Information stehen gleiche Dateninhalte
an gleicher Stelle.
Mit Einführung der neuen Softwaregeneration auf Basis von
Client-Server-Technologien wurde die Hoffnung auf eine integrierte
Informationsweitergabe innerhalb des ganzen Projektprozesses geweckt.
In der Realität hat der elektronische Informationsaustausch
im Bauwesen noch viele Lücken. Dies scheitert weniger an den
verfügbaren Technologien der IuK (Informations- und Kommunikationstechnologie),
sondern am Willen der am Bauprozess Beteiligten, Daten in strukturierter
Form zu organisieren.
Zwei Sichten auf die Informationen treffen in der
Bauindustrie aufeinander:
- Die Projektsicht
- Die Unternehmenssicht
Idealerweise greifen beide Sichten auf die identischen Ausgangsdaten
zu. Informationen werden somit geholt und nicht gemacht.
Die zwei Sichten
Die Sicht auf die Informationen des Projektes bringt alle an einem
Projektprozess Beteiligten zusammen. Die Besonderheit ist, dass
oftmals keine direkten vertraglichen Beziehungen bestehen (Beispiel:
Statiker - Bauunternehmen) und kein Zwang für eine gemeinsame
Informationsstruktur vorliegt.
Aus der Unternehmenssicht werden die Informationen
verschiedenartiger Projekte zu gemeinsamen Informationen des Unternehmens
zusammengeführt.
- Kapazitätsplanung Großgeräte
- Liquiditätsbedarf
- Ergebnis einer Sparte
Innerhalb eines Unternehmens kann eine gemeinsame Informationsstruktur
verfügt werden.
Die Aufgabe des Konzepts "Der digitale Betriebsablauf"
ist die Verbindung beider Sichtweisen und die Verknüpfung der
Informationen aus Projekt- und Unternehmenssicht in eine Informationskette.
Damit dies gelingt, sind alle Informationen in einem ganzheitlichen
und durchgängigen Ansatz zu organisieren. So ist eine Konsolidierung
der beiden Sichtweisen und eine gesicherte Weiterverwendung in digitalen
Systemen möglich.
Die Sicht des Projektzyklusses
In den einzelnen Stadien des Projektzyklusses
treten Informationen in verschiedenster Form auf. Informationen
werden in Gruppen beschrieben:
- Vertragsinhalte
- Planung und Konstruktion
- Technische Berechnungen und Beschreibungen
- Optische und Akustische Dokumentation
- Termine und Aufgaben
- Notizen, Protokolle ...
- Rechnungswesen
- Beschaffung, Logistik
- Mengenermittlung, Abrechnung ...
Eine entscheidende Besonderheit bei allen Datenflussmodellen des
Projektprozesses ist die Abhängigkeit von der Zeitachse. Deshalb
sind alle Informationen innerhalb des Projektzyklusses an einen
Projektablaufplan zu knüpfen. Mit welchen Techniken dieser
arbeitet (verknüpfter Balkenplan, Netzplantechnik,...) ist
eine technische, weniger eine fachliche Frage.
Die in der Deutschland, federführend durch verschiedene Normungsgremien
angedachten Prozesse haben aus praktischer Sicht einen Engpass:
Sie greifen Teilprozesse heraus, denken national und aus Sicht öffentlicher
Auftraggeber.
Die
Planungsphase
In der Planungsphase werden in Abhängigkeit des Anspruches
der Gebäudenutzung und Architektur, des Verkehrsaufkommens
und verfügbarer Flächen oder bei Kraftwerken Umweltgegebenheiten
und Leistungsanforderungen geplant. Aus dieser Planung heraus wird
die Konstruktion entwickelt und in weiteren iterativen Prozessen
verfeinert. Eine Änderung der verfügbaren Fläche
führt immer zu einer Änderung der Planung. Die Regeln
hierzu sind dokumentiert.
Die Vertragsphase
Die Bestandteile des Vertrages sind Leistungsbeschreibung, Pläne,
Terminplan und Leistungsverzeichnis. In der Vertragsphase wird aus
den planerischen und konstruktiven Vorgaben mit einer erhöhten
Präzision gegenüber der ersten Kostenschätzung und/oder
-planung gearbeitet. Gegebenenfalls erfolgen Ausschreibung und Vergabe
an Unternehmen, Konsortien, Nachunternehmer und Fachingenieure.
Hierbei werden die in der logischen Kette bestehenden alphanumerischen
und damit verknüpften konstruktiven grafischen Daten weiter
genutzt und detailliert (Durchgängiges 3D-CAD für Planung,
Konstruktion, Vermessung, Ausbau und Ausrüstungstechnik).
Beispiel:
Die Ausschreibungsmenge im Leistungsverzeichnis für eine Fußbodenleiste
ist die Verknüpfung aus einer Menge mit der qualitativen Leistungsbeschreibung
und den detaillierten Hinweisen aus fachlichen Vorschriften (DIN,
CEN, ...). Die hierin verwendete Menge ist eine logische Verknüpfung
aus CAD-Mengen, aus der Leistungsbeschreibung und den sich ergebenden
verknüpften gewerkespezifischen Abrechnungs- und Aufmaßvorschriften.
Die
Ausführungsphase
In der Ausführungsphase greifen in der Arbeitskalkulation die
Verknüpfungen auf Ressourcen (Arbeitskräfte, Material,
Geräte, Nachunternehmerleistungen ...). Diese werden im Auftragsfalle
für die weitere Bearbeitung des unternehmensinternen Bestellwesens
(Lieferscheinkontrolle, Rechnungsprüfung) zur Verfügung
gestellt. Das Bestellwesen wiederum versorgt Materialnachweise mit
Lieferinformationen und gibt diese auch für weitere Aktivitäten
im Bereich des Facility Managements vor.
Die Arbeitsvorbereitung und der Projektablaufplan
Die einzelnen Aktivitäten zur Erzielung der vertraglich vereinbarten
Leistung sind in Leistungsbeschreibung und Leistungsverzeichnis
nicht beschrieben. Die Formulierungen und der Gebrauch des Leistungsverzeichnisses
dient der vertraglichen Vereinbarung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer.
Deshalb werden Leistungsverzeichnis-Positionen in ausführbare
Teilleistungen aufgeteilt und zugeordnet. Diese Teilleistungen tragen
bereits Informationen über einen logischen Bauablauf und die
Verkettung mit anderen Teilleistungen. Auch hierbei wird auf logische
Bauobjekte zugegriffen.
Beispiel 1:
Die Teilleistung Ausschalen einer Ortbetonwand trägt die Information,
dass sie üblicherweise nach dem Abschluss des Betoniervorganges,
gegebenenfalls mit einem Zeitversatz erfolgen sollte.
Beispiel 2:
Die Teilleistung Rohmontage eines Sanitärobjektes trägt
die Information, dass sie vor Durchführung der Verputzarbeiten
durchzuführen ist. Die Teilleistung Fertigmontage des Sanitärobjektes
trägt die Information, dass sie nach Durchführung der
Malerarbeiten und/oder nach Durchführung der Fliesenlegerarbeiten
erfolgt.
Diese Informationen werden gleichzeitig mit
einem wesentlichen Faktor, dem des Bauteiles verknüpft. Als
Bauteile gelten einzelne oder hierarchisch gegliederte Orte und
Teile eines Bauwerkes. Dies kann ein Raum sein, dies kann ein Stockwerk
sein, dies kann im Kanalbau eine Haltung sein, das kann im Gleisbau
eine Weiche sein und im Straßenbau eine Fahrspur. Die Gliederungstiefe
der Bauteile entscheidet die Auswertungstiefe für
- Mengenermittlung
- Termine
- Ressourcen
- Materialnachweisen
Das Facility Management
Aus der Dokumentation über das Lieferscheinwesen der tatsächlich
eingebauten Materialien stehen Informationen im Facility Management
FM zur Verfügung. Gleichzeitig stehen dem FM über die
bauteilorientierte Mengenermittlung und die zusätzlich in der
CAD vorhandenen Geometrien und die Leistungsbeschreibung der Qualitäten
zur Verfügung. Somit kann die Nutzung des Facility Management
auf diese Grundinformationen zugreifen und die Einrichtung zufügen.
Ebenfalls steht im Facility Management die Konstruktion der Räume
und / oder Konstruktion der Versorgungsleitungen, der Infrastrukturobjekte
zur Verfügung.
Der Abriss
Das Ende eines jeden Projektes ist der Abriss. Eine Umnutzung stellt
nichts anderes als eine Neuauflage des Planungsprozesses und des
Projektzyklusses dar. Im Abriss (Rückbau) werden Informationen
über Abmessungen, Materialbeschaffenheiten und Konstruktion
zur Verfügung gestellt.
Die Unternehmenssicht
In den Unternehmen steht die Aufgabe an, alle Informationen in strukturierter
Form zu organisieren. Dies ist die Voraussetzung für eine effiziente
Nutzung heutiger IuK-Technologien und Sicherstellung von sicheren
und schnellen Informationen für die Steuerung des gesamten
Unternehmens. Die Liquiditätsplanung und Beschaffung stehen
hier als Beispiele dieser Informationen.
Die Liquiditätsplanung
Die Verknüpfung von heutigen Möglichkeiten des digitalen
Betriebsablaufes wird an einem Beispiel deutlich: Die Liquiditätsplanung
für das gesamte Unternehmen wird durch Einzeleinflüsse
jedes Projektes beeinflusst. Beispiel: Werden für Nachunternehmer-
/ Lieferantenleistungen bedeutende Vorauszahlungen fällig,
so kann eine Überlagerung von mehreren Projekten zu einer schwierigen
Liquiditätssituation führen. Vielleicht werden hieraus
andere Einkaufsvorteile ausgelöscht. Eine Verschiebung des
Projektablaufes im Projektablaufplan führt nun zu einer Änderung
der Erlössituation. Somit sind sehr früh Auswirkungen
auf den zukünftigen Liquiditätsbedarf zu erkennen. Eine
Information, die mit konventionellen Mitteln nur sehr schwer zu
gewinnen ist.
Diese Information, die zu einer Steuerung der Vitalfunktion des
Unternehmens gehört, bedarf vorab großer Disziplin. Konsequentes
Pflegen des Projektablaufplanes mit kompletter Abbildung des Ressourcenbedarfes
und Konsolidierung aller Einzelinformationen der Projekte zur Unternehmens-
oder Spartensicht.
Die Beschaffung
In Einkauf und Rechnungswesen liegen Potentiale, den gesamten Beschaffungsprozess
verwaltungstechnisch zu optimieren. Erfolgt der Materialbedarfsauszug
aus der Angebots- und / oder Arbeitskalkulation automatisch über
eine stammdatengestützte Kalkulation, können diese Artikel
bereits mit allen Kontierungsinformationen für den Beschaffungsprozess
versehen sein.
Mit der Erfassung von Lieferscheinmengen kann die zeitgerechte Kostenbelastung
der Baustelle erfolgen und die Rechnungsprüfung ist hausintern
komplett vorbereitet. Die programmtechnischen Möglichkeiten
hierzu bestehen seit Jahren, werden jedoch von kaum einem Unternehmen
eingesetzt. Gerade hier ist die fehlende ganzheitliche Organisation
der Geschäftsprozesse und des Datenflusses in den Unternehmen
der Hemmschuh.
Die Umsetzung im Unternehmen
Die Realisierung des digitalen Betriebsablaufes kann nicht im "Big
Bang", also auf einen Schlag erfolgen. Sie ist ein Prozess,
in den in einem Unternehmen alle Entscheidungsträger und Mitarbeiter
einbezogen werden müssen. Es reicht nicht, dies an Stabsstellen
zu delegieren. Die Bedeutung der Information als Wettbewerbsfaktor
ist Aufgabe der absoluten Führungsebene des Unternehmens.
Der digitale Betriebsablauf setzt eindeutig definierte, praxisorientiert
organisierte Geschäftsprozesse voraus. Diese bilden die Spielregeln
für das Erzeugen, Strukturieren, Speichern und Auswerten aller
Informationen. Gewachsene Organisationsstrukturen müssen dabei
neu überdacht werden.
Zusammenfassung
Die Nutzung der Informationskette "Der digitale Betriebsablauf"
ist ein entscheidender Aspekt des Controllings im Unternehmen. Die
Informationskette unterstützt alle Projektzyklen, das Zusammenarbeiten
aller am Projekt Beteiligten und die Unternehmenssicht. "Der
digitale Betriebsablauf" setzt die ganzheitliche und umfassende
Organisation der Informationen und damit der Geschäftsprozesse
voraus. Bei der Strukturierung der Informationen stehen die Anforderungen
aus der Praxis, nicht das Einhalten von Normen im Vordergrund.
Die Chancen
Die Umsetzung des Konzeptes "Der digitale Betriebsablauf"
bedeutet für die Unternehmen Aufbau des Know-hows für
die Organisation strukturierter Informationen und einer damit verbunden
durchgängigen Organisation der Geschäftsprozesse. Im
Rahmen des Projektzyklusses setzt der digitale Betriebsablauf die
Verfügbarkeit aller graphischen und alphanumerischen Informationen
in digitaler Form voraus. Hier sind Auftraggeber gefordert. Das
aus diesen Organisationsformen gewonnene Know-how gibt der deutschen
Industrie die Chance, im internationalen Wettbewerb eine führende
Rolle beim Wissensmanagement einzunehmen. |